Naturgemäß freuen wir Piraten uns, wenn zeitraubende Verfahren auch online angeboten werden und begrüßen daher die Einführung des Kita Navigators. Insbesondere die technische Umsetzung ist gut gelungen: Die Seite ist bedienerfreundlich und nahezu selbsterklärend.

Dennoch können wir uns der allgemeinen Lobhudelei nicht anschließen:
Zwar haben Eltern nun die Möglichkeit sich hier schnell und unkompliziert einen Überblick über Einrichtungen und deren Angebote zu verschaffen, das Anmelde- und Auswahlverfahren selbst ist dagegen mangelhaft.
Die eigentliche Zielgruppe wurde offensichtlich nicht in die Planungen mit einbezogen. Während der Zwang Alleinerziehender zur Eingabe der Daten des 2. Erziehungsberechtigten wohl zu den amüsanteren Kinderkrankheiten einer Version 1.0 gehört, ist jedoch zum Beispiel das Fehlen einer kommentierbaren Priorisierung der getroffenen Auswahl, sprich welche Kita 1., 2. oder 3. Wahl wäre, zu bedauern.

Johannes Schmanck, Listenkandidat zur Kommunalwahl: „Es handelt sich hier um ein bei betreuungserfahrenen Eltern wohlbekanntes Problem: Selten ist die räumliche Nähe zur Meldeadresse alleiniges Kriterium, pädagogisches Konzept und Möglichkeit zur Einflussnahme sind Eltern heute ebenfalls sehr wichtig.“
Die beste Lage sei für berufstätige Eltern ohnehin eher ‚auf dem Weg zur Arbeit‘ denn in der Nähe der eigenen Meldeadresse“, so Schmanck.

Ein weiterer Punkt stößt uns bei der Anmeldung auf: In Zeiten, in denen erwartet wird, dass Arbeitgeber Geschlecht und Herkunft nicht in ihre Entscheidung einbeziehen sollen, wirkt die Angabe der Konfession auf uns doch sehr befremdlich.
„Auch kirchliche Einrichtungen sind zu mind. 95% vom öffentlichen Haushalt finanziert, und religiöse Früherziehung von Kleinkindern ist nun wirklich nicht das, was wir Piraten uns unter der vielzitierten ‚frühkindlichen Bildung‘ vorstellen.“ ergänzt Sebastian Kroos, Vorsitzender der Piraten in Münster.

Unterm Strich betrachten die münsteraner Piraten den Kita Navigator trotzdem als Schritt in die richtige Richtung und hoffen, dass die Stadt bei der Planung der nächsten Version insbesondere die Belange der neuen noch unerfahrenen Eltern mehr in den Vordergrund rückt.